21. Januar 2012 // 14 Uhr // Bahnhofsvorplatz Bückeburg

Betrachtet man rückblickend das Jahr 2011 erscheint das Thema rechte Gewalt allgegenwärtig gewesen zu sein: Rassistische Morde in Norwegen, das Bekanntwerden der rechten Terrorzelle „NSU“, Ausschreitungen und Straftaten am Rande von unzähligen Naziaufmärschen in der gesamten Bundesrepublik. Auch in Bückeburg begann das vorherige Jahr unter bösen Vorzeichen. Haargenau ab dem Zeitpunkt der Jahreswende stieg das Ausmaß neonazistischer Aktivitäten in der Stadt mit einer bisher nicht gekannten Geschwindigkeit an.

Die Gewalttaten der expandierenden rechten Szene rund um die „Autonomen Nationalisten Bückeburg“ zogen sich daraufhin wie ein roter Faden durch das gesamte zurückliegende Jahr. Von Drohungen, über Angriffe auf offener Straße bis zu Anschlägen auf Wohnhäuser – die Bückeburger Neonazis ließen in ihrem so genannten „Kampf um die Straßen“ keine Chance ungenutzt.

Die sich hieraus ergebende, bedrohliche Situation wurde lange als bloße Gewalt unter rivalisierenden Jugendlichen verharmlost. Nicht zuletzt Dank der kontinuierlichen Thematisierung dieser Situation durch aktive Antifaschist_innen hat sich dies heute geändert und der rechten Szene wird als ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem entgegengetreten.

In der letzten Jahreshälfte bewiesen Vorträge über rechten Lifestyle und Musik, Präventionsveranstaltungen für Jugendliche und kulturelle Veranstaltungen wie „music for tolerance“, dass sich die Bückeburger_innen aktiv gegen Neonazismus zur Wehr setzen.

Doch verschwunden sind die Neonazis noch längst nicht. Ihre Propaganda bestimmt nach wie vor das Stadtbild und auch unter Jugendlichen erhalten sie noch immer regen Zulauf. Bedrohungen gegen alternative Jugendliche sind Teil ihrer Tagesordnung und auch an den Schulen haben sie nicht aufgehört aktiv zu sein. Nicht zuletzt ihre Versuche als Klassen- und Schüler_innen_sprecher_innen Einfluss zu nehmen ist besorgniserregend.

Dass erfolgreiche antifaschistisches Arbeit ein Prozess ist, der Zeit braucht, war uns bereits zu Beginn des so unselig gestarteten letzten Jahres klar, als wir das Bündnis „Copy & Paste“ ins Leben riefen – einmal gewachsene rechte Strukturen verschwinden nicht von heute auf morgen. Dass es in den vergangenen Wochen jedoch ruhiger um die Bückeburger Neonazis geworden ist, werten allerdings als ersten Erfolg unserer Bemühungen und dem deutlichen Zeichen, das Bückeburg gegen Rechts gesetzt hat.

Mit einem deutlichen Zeichen wird Bückeburg daher auch in das neue Jahr starten. Gemeinsam werden wir den Nazis auch im neuen Jahr kein Gefühl von falscher Ruhe gönnen, sondern weiterhin kontinuierlich und öffentlich gegen rechte Strukturen in und um Bückeburg vorgehen!

Als Auftakt zu einem erfolgreichen neuen Jahr laden wir daher alle ein, sich an unserer Neujahrsdemonstration unter dem Motto „Same Shit, Different Year – Kein Rückzugsraum für Nazis!“ zu beteiligen.

Kampagne Copy & Paste – Gegen Nazistrukturen in und um Bückeburg

Die Feuerzangenbowle – ein reiner Unterhaltungsfilm?

Jedes Jahr, kurz vor Weihnachten, wird landauf landab der Film „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann gezeigt. Die Geschichte handelt vom Schriftsteller Johannes Pfeiffer, der sich als Schüler verkleidet, aufs Gymnasium geht und den dortigen Lehrern eine Reihe von Streichen spielt. Sie basiert auf einem Roman, den Hans Reimann und Heinrich Spoerl 1933 veröffentlichten und wurde u.a. 1944 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle verfilmt – ein „zeitloser Klassiker“, so wird der Film beworben.

Was viele nicht wissen: der Film enstand im Frühjahr 1943 auf dem Ufa Gelände in Babelsberg bei Berlin. Zu diesem Zeitpunkt tobte bereits der von Goebbels im Februar 43 ausgerufene „totale Krieg“ – so sehr, dass die Aufnahmen wegen der Luftangriffe in schalldichten Studios stattfinden mussten. Regisseur des Films war Carl Froelich, Präsident der Reichsfilmkammer und NSDAP Mitglied. Auch Heinz Rühmann diente sich den NationalsozialistInnen an, ließ sich 1938 von seiner jüdischen Frau scheiden und wurde in einer Zeit, als viele KünstlerInnen das Land verließen oder in Konzentrationslager gebracht wurden, zum Star.

 

 

 

 

 

 

 

Die Feuerzangenbowle“ ist ein Unterhaltungsfilm. Trotzdem hatte er als solcher insbesondere zu seiner Entstehungszeit eine klare Funktion: Unterhaltungsfilme dienten dazu, Propanganda auf eine Art und Weise zu transpostieren, die vordergründig unpolitisch ist. Goebbels erklärte bereits 1937 vor der Reichsfilmkammer:

In dem Augenblick, da eine Propaganda bewusst wird, ist sie unwirksam. Mit dem Augenblick aber, in dem sie als Propaganda, als Tendenz, als Haltung im Hintergrund bleibt und nur durch Haltung, durch Ablauf, durch Vorgänge, durch Kontrastierung von Menschen in Erscheinung tritt, wird sie in jeder Hinsicht wirksam.

Pfeiffer lehnt sich gegen bürgerliche Ideale auf, am Schluss nimmt er diese jedoch an und empfindet sie als befriedigend. Widerstand gegen das Bestehende wird als Privileg der Jugend dargestellt, was es mit dem Erwachsenwerden abzulegen gelte. Diese Haltung war den NationalsozialistInnen in Zeiten des Krieges sicherlich mehr als dienlich. Auch wenn ein Produkt, wie dieser Film, immer in einen gesellschaftlichen Kontext gestellt werden muss, transportiert „Die Feuerzangenbowle“ diese Botschaft bis heute. Die Auflehnung gegen Hierarchien, in diesem Falle als Streiche gegen Lehrer dargestellt, wird am Schluss verneint und das Einfügen in die Gesellschaft zum Erstrebenswerten. Eine Botschaft die jeder Person aufstoßen sollte, die sich mit dem was passiert nicht zufrieden geben möchte.

Die Reflexion aktueller Ereignisse soll nicht stattfinden. Pfeiffer erklärt am Schluss des Films: „Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir in uns tragen, Träume, die wir spinnen und Sehnsüchte, die uns treiben.“ Eine Aussage, die vor dem Hintergrund von Krieg und Diktatur besonders erschreckend ist, da sie nicht nur das individuell verständliche Fliehen vor der Realität, sondern deren filmisch inszenierte Verleugnung in sich trägt.

Darüber hinaus wird Beständigkeit über den historischen Zusammenhang hinaus propagiert – der Film spricht von einer „guten alten Zeit“ lässt jedoch offen, wann sie stattgefunden habe und reproduziert auf diese Weise ein Bild von naturhaften Zuständen, die unabhängig vom geschichtlichen und sozialen Zusammenhang bestehen würden. Gesellschaftlicher Wandel existiert nur im Sinne der Vorstellung einer „neuen Zeit“ (Zitat des Oberlehrers Dr. Brett). Ebenso wie die eben genannte Zuschreibung einer „Natürlichkeit“ gesellschaftlicher Zustände, wird damit NS Propaganda betrieben. Der Begriff der „neuen Zeit“ war Anfang der 1940er Jahre als Teil dieser bekannt.

Einer von Goebbels letzten Wünschen war es, dass die Filmproduktionen des Nationalsozialismus diesen überdauern und die Wahrnehmung des Dritten Reiches prägen würden. Solange ein Film wie „Die Feuerzangenbowle“ nicht als Produkt des Faschismus ernst genommen wird, werden die Werte, die dort verbreitet werden nicht verschwinden. Deshalb sollte der Film nicht gezeigt werden, ohne, dass über seinen Kontext und die Zielsetzung diskutiert und informiert wird.

Kundgebung gegen das Treffen der Deutschen Burschenschaft

Am 15. und 16. Oktober treffen sich Vertreter der Deutschen Burschenschaft (DB) zu einer internen Verbandstagung in Hannover. Darunter als Ausrichter die 3 hannoverschen Korporationen Ghibellinia, Arminia und Germania. Dass dieser Verband aus völkischen und sexistischen Idioten besteht, zeigt schon ihr Leitspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“. Am 15. Oktober haben wir die bundesweiten Vertreter dieser Bande in Hannover versammelt. Das gibt uns erst Recht die Möglichkeit, ihnen zu zeigen, was wir von ihnen halten.

Ablehnungswürdig sind Burschenschaften aus einer Vielzahl von Gründen. Spätestens seit Beginn des deutschen Kaiserreichs 1871 vollzogen sie den ideologischen Schulterschluss mit den gesellschaftlichen Eliten. Von da an unterstützen sie das Streben des Deutschen Reichs nach einer Erweiterung seines Machtbereichs, zählten zur monarchistischen Opposition in der Weimarer Republik und solidarisierten sich u.a. mit dem Kapp-Putsch 1920, bzw. dem Hitlerputsch 1923. Vereinfacht erklärt sich so die Position der in den Lebensbund getretenen Verbindungsstudenten als Vorreiter einer rassistischen und hierarchischen gesellschaftlichen Elite.
Das Lebensbundprinzip, die damit verbundene Förderung durch ältere materiell abgesicherte Verbindungsmitglieder und der Zugriff auf ein durch Seilschaften geprägtes Karrierenetzwerk ist hierbei nicht Selbstzweck oder Akt der Wohlfahrt, sondern dient vielmehr der Reproduktion ihrer Eliten in der Gesellschaft. So verankern sie ihre politische Ideologie im gesellschaftlichen Diskurs und sichern sich einen Vorsprung im Hauen und Stechen um die besten Plätze in der kapitalistischen Gesellschaft.
Welcher Personenkreis zur zukünftigen Elite gehört, ist deutlich abgegrenzt. Burschenschaften zeichnen sich durch ein besonders sexistisches Geschlechterbild aus: Männer haben klassische Rollenstereotypen wie Stärke, Ehre und Mut zu erfüllen, Frauen sind für die meisten Burschen allenfalls schmückendes, aber bitte stummes Beiwerk. Auch Homosexuelle und als „Nicht“-Deutsche identifizierte, werden in der Regel von den „Freuden“ der zukünftigen Elite ausgeschlossen.
Als nichtdeutsch gelten in diesem Weltbild alle, in deren Adern kein „deutsches Blut“ fließt. Diese Berufung auf das Blutrecht zeigt den deutlich rassistischen aber auch offen revanchistischen Charakter der Burschen, die auch sonst gerne von einem „wiedervereinten“ Großdeutschland träumen.
In Burschenschaften herrscht ein stark hierarchisches Prinzip: Verbindungsmitglieder müssen sich ihren Platz in der Korporation erarbeiten, und sich bis dahin vollständig unterordnen und erniedrigen lassen. Dieses Untertanenprinzip, nach dem Motto „nach oben buckeln und nach unten treten“ bereitet auf die Einordnung in die herrschende, durch Ausbeutung geprägte, Gesellschaft vor und hilft, sich in der kapitalistischen Hackordnung durchzusetzen. Diese wird, ebenso wie vom Rest der Gesellschaft, als Freiheit begriffen.

Zusammengefasst: Verbindungen sind Träger obrigkeitsstaatlichen Denkens, das an Vorstellungen strenger Hierarchie, Befehl und Gehorsam, Unterordnung, Pflichterfüllung und Mannesehre gekoppelt ist, also an mindestens konservative Ideologie. Die DB umfasst dabei besonders radikale Nationalisten.
Darüber hinaus ist und war das Ziel der Korporationen gleich: Es geht darum, herrschende, bzw. einflussreiche Kreise in dieser Gesellschaft mit den eigenen Leuten zu besetzen. Dem gesellschaftlichen Zwang sich nach oben zu kämpfen und der eigenen Konkurrenz im Zweifelsfall die Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum abzuerkennen, stimmen auch die gewöhnlichen Staatsbürgerinnen zu. Die Burschis treiben dieses Prinzip aber mit ihrer ekelhaften Ideologie auf die Spitze. Zeigen wir ihnen, was wir von Ehre, Freiheit und Vaterland halten!

 

Kundgebung gegen das Treffen der Deutschen Burschenschaften

15.‎ ‏Oktober‭ | ‬Rühlmannstrasse‭ ‬1‭ | ‬19‭ ‬Uhr


Wir dokumentieren einen Aufruf von “copyandpaste – Kampagne gegen Nazistrukturen in und um Bückeburg”:

Same Shit – Different Month


    Kundgebung gegen anhaltende Nazigewalt am Samstag, den 16. Juli 2011 um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Bückeburg.

Nichts hat sich geändert – Scheiss Nazis!

Fast ein halbes Jahr ist es nun her, dass Neonazis in Bückeburg durch eine Serie der Gewalt für Schlagzeilen sorgten. Die Situation hat sich inzwischen jedoch nur scheinbar beruhigt. In den letzten Wochen fanden wiederholt Anschläge seitens der „Autonomen Nationalisten Bückeburg“ auf Wohnhäuser statt – das Naziproblem ist keineswegs verschwunden.

Wir Antifaschist_innen demonstrieren heute nocheinmal hier um erneut auf die Umtriebe hiesiger Neonazis aufmerksam zu machen. In koordinierten Angriffen zerschossen Mitglieder der hiesigen rechten Szene mit Zwillengeschossen die Fensterscheiben mehrerer Wohnungen in Bückeburg und Umgebung. Im Fadenkreuz stehen dabei nach wie vor migrantische und antifaschistische Jugendliche.
Graffitisprühereien der „Autonomen Nationalisten Bückeburg“ und nationalsozialistische Parolen finden sich mittlerweile auch in Obernkirchen und Stadthagen sowie in etlichen Dörfern.
Im Internet werben sie für rechte Aufmärsche im gesamten norddeutschen Raum, sie hetzen gegen Migrant_innen, Demokrat_innen, Jüdinnen und Juden. Mit selbstgedrehten Videos versuchen sie, andere Jugendliche zu rekrutieren.
Aber auch über die Grenzen des Landkreises hinweg sind die Bückeburger Neonazis aktiv. In Wunstorf und Hannover waren sie maßgeblich an der Organisation neonazistischer Demonstrationen und Aktionen beteiligt.
Im 1. Mai demonstrierten sie mit 900 weiteren Neonazis in Halle „gegen Ausländer“.
Dabei kam es zu massiven Angriffen auf Journalist_innen und Gegendemonstrant_innen.

In nichtmal einem Monat, am 6. August 2011, wollen Nazis in Bad Nenndorf ihren alljährlichen „Trauermarsch“ durchführen. Wie in den vorherigen Jahren werden Rechte aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Ausland erwartet. Auch die „Autonomen Nationalisten Bückeburg“ haben in Bückeburg massiv für den Naziaufmarsch in der Kurstadt geworben. Zusammen mit ihren Gesinnungsgenoss_innen planen sie am kommenden Wochenende den ehemaligen Insass_innen des Militärgefängnisses „Wincklerbad“ ein Heldengedenken zu inszenieren. Damit ehren sie bewusst NS-Verbrecher wie den Waffen-SS General Oswald Pohl, welcher Himmler unterstellt für die Koordination der „Judenverfolgung“ zuständig war.
Positive Bezüge auf die nationalsozialistische Gewaltherrschaft sind in der rechten Szene eine Selbstverständlichkeit. Auch die Bückeburger Neonazis fordern einen „Nationalen Sozialismus“ und verfolgen damit dieselben Ziele wie ihre historischen Vorbilder.
Gewalt ist daher sowohl Mittel als auch Zweck neonazistischer Bestrebungen. Neonazis gilt es sich daher in den Weg zu stellen, wo immer sie auftauchen. Wir lassen weder zu, dass sie ihre verdrehte Weltanschauung in Bückeburg unwidersprochen verbreiten noch Überfälle auf ihre Feindbilder durchführen können.

Kein Fußbreit den Faschist_innen! Für einen offensiven Antifaschismus!

Kampagne Copy & Paste – Gegen Nazistrukturen in und um Bückeburg; Juli 2011

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